Peroneus longus, brevis und tertius Schmerzen & Triggerpunkte

Der Peroneus longus, brevis und tertius sind drei Muskeln Ihres Sprunggelenks und können Schmerzen in diesem Bereich sowie im Fuß auslösen.

Vor allem dann, wenn sie verspannt oder mit Triggerpunkten behaftet sind.

Sie können Ihre Muskeln von diesen Verspannungen und Triggerpunkten allerdings befreien, und zwar mit einer Selbstmassage.

Wie das geht, erfahren Sie auf dieser Seite. Zudem erfahren Sie …

  • welche genauen Beschwerden diese drei Muskeln auslösen können,
  • wo sie liegen,
  • welche Funktionen sie besitzen,
  • warum sie überhaupt Probleme entwickeln,
  • wie Sie sie spüren,
  • und natürlich, wie Sie sie massieren.

Lesen Sie weiter und befreien sich von Ihren Schmerzen!

1. Schmerzzonen, Symptome & Differentialdiagnosen

Verspannungen in diesen Muskeln führen in der Regel zu einer Druckempfindlichkeit und Schmerzen der Muskeln selbst.

Triggerpunkte lösen die gleichen Beschwerden aus, können den Schmerz aber auch in andere Bereiche übertragen.

Im Folgenden finden Sie die genauen Schmerzzonen für jeden der drei Muskeln.

1.1 Schmerzzonen von Triggerpunkten im Peroneus longus

Triggerpunkte im Peroneus longus können Schmerzen im seitlichen Bereich der Wade auslösen, welche nach unten hin ausstrahlen.

1.2 Schmerzzonen von Triggerpunkten im Peroneus brevis

Triggerpunkte des Peroneus brevis können Schmerzen im unteren Bereich des äußeren Unterschenkels auslösen. Von dort aus strahlen diese meist nach unten aus und können folgende Beschwerde hervorrufen

  • Schmerzen am Sprunggelenk, im Bereich der Malleolengabel. Oft werden diese als Schmerzen am „äußeren Knöchel“ beschrieben.
  • Schmerzen am äußeren Fußrücken.

1.3 Schmerzzonen von Triggerpunkten im Peroneus tertius

Schmerzen die von Triggerpunkten im Peroneus tertius ausgelöst werden, ziehen in der Regel über das vordere Sprunggelenk bis in den Fußrücken.

Zudem können die Schmerzen an die Außenseite der Ferse ziehen.

1.4 Symptome und weitere Beschwerden

Triggerpunkte in den Peroneen führen häufig zu einer Schwäche dieser Muskeln.

Die Schwäche wiederum kann eine Instabilität Ihrer Sprunggelenke zur Folge haben, was dazu führt, dass Sie leichter „umknicken“.

2. Ursprung & Ansatz

Diese drei Muskeln liegen seitlich sowie vorne am Unterschenkel und ziehen hinab zum Fuß.

Der Peroneus longus und brevis liegen hierbei an der Außenseite, und der Peroneus tertius an der Vorderseite des Unterschenkels.

In den folgenden Abschnitten habe ich die Verläufe dieser Muskeln etwas genauer beschrieben.

2.1 Ursprung, Ansatz & Innervation des Peroneus longus

Der Peroneus longus entspringt dem äußeren Bereich des Unterschenkels (genauer: Wadenbein), knapp unter dem Knie.

Von dort aus zieht er die gesamte Seite des Unterschenkels hinunter, schlängelt sich hinter Ihrem Knöchel herum, zieht von dort nach vorne an die Außenseite Ihres Fußes und strahlt dann unter Ihrem Fuß an dessen Innenseite ein.

  • Ursprung: Caput fibulae / Fibulaköpfchen und obere 2/3 der Fibula und intermuskuläre Septen.
  • Ansatz: Os cuneiforme mediale & Os metatarsale I
  • Innervation: Innerviert wird der Muskel vom Nervus fibularis superficialis
  • Triggerpunkte entstehen meist im oberen Bereich des Muskels.

2.2 Ursprung, Ansatz & Innervation des Peroneus brevis

Der Peroneus brevis liegt unter dem longus und wird zu großen Teilen von diesem verdeckt. Er entspringt den unteren 2/3 der Außenseite des Wadenbeins (Fibula), zieht dieses hinunter und schlängelt sich ebenfalls hinter Ihrem Knöchel vorbei.

Allerdings zieht er nicht unter Ihrem Fuß durch, sondern setzt an dessen Außenseite an.

  • Ursprung: Untere 2/3 der lateralen Fibula und intermuskuläre Septen
  • Ansatz: Os metatarsale V
  • Innervation: Innerviert wird der Muskel vom Nervus fibularis superficialis.

2.3 Ursprung, Ansatz & Innervation des Peroneus tertius

Der Peroneus tertius entspringt ebenfalls dem Wadenbein, liegt aber weiter vorne. Von dort aus zieht er ebenfalls an die Außenseite des Fußes, genau wie der Peroneus brevis.

  • Ursprung: Unteres vorderes Drittel der Fibula
  • Ansatz: Os metatarsale V
  • Innervation: Innerviert wird der Muskel vom Nervus peroneus profundus.

3. Funktion des Peroneus longus, brevis & tertius

Diese Muskeln führen mehr Stabilisationsarbeit und Bewegungskontrollen aus, als das sie ein Gelenk bewegen.

Diese Stabilisationsarbeit wird solange ausgeführt wie sich der Fuß am Boden befindet und das Sprunggelenk stabilisiert werden muss.

Sobald der Fuß den Boden verlässt sind die Muskeln in der Lage das Sprunggelenk zu bewegen.

3.1 Bewegungen des Peroneus longus und brevis – bei freiem SG –

  • Fußsohle nach unten drücken bzw. Plantarflexion
  • „Seitliches Heben der Fußaußenkante“ bzw. Pronation
1

Plantarflexion

2

Pronation & Eversion

3.2 Bewegungen des Peroneus tertius – bei freiem SG –

  • Anziehen des Fußrückens bzw. Dorsalextension
  • „Seitliches Heben der Fußaußenkante“ bzw. Pronation
1

Dorsalextension

2

Pronation & Eversion

4. Überlastung & Entstehung von Triggerpunkten in den Peroneen

Triggerpunkte können auf verschiedenste Arten und Weisen entstehen.

In diesem Fall stehen an erster Stelle Verletzungen, gefolgt von Ruhigstellung und „ungünstigen“ Angewohnheiten wie zum Beispiel dem Tragen von hohen Absätzen.

Im Folgenden gehe ich auf einige dieser Punkte etwas genauer ein.

4.1 Entstehung von Triggerpunkten durch „Umknicken“ bzw. Supinationstraumta

Bei einem Supinationstrauma, umgangssprachlich auch Umknicktrauma genannt, werden die Außenbänder des Sprunggelenks verletzt.

Diese Verletzungen reichen von Überdehnungen bis hin zu kompletten Rupturen.

Für den Peroneus longus und brevis spielt die Schwere der Verletzung eine untergeordnete Rolle. Sie werden bei einem Supinationstrauma immer ans äußerste gedehnt, und das sehr schnell.

Diese schnellen Dehnungen, dieses schnelle Auseinanderziehen der Muskeln führt oft zur Entstehung von Triggerpunkten.

Das ist aber nur der akute, sofortige Mechanismus.

Wenn Sie umknicken und sich dabei verletzen, werden sich Ihre Peroneen immer reflektorisch anspannen um die verletzen Bänder vor einer weiteren Dehnung zu schützen.

Erinnern Sie sich an die Funktion dieser drei Muskeln. Sie bewegen die Fußaußenkante nach außen oben, also in die entgegengesetzte Richtung des „Umknickens“.

Diese reflektorische Kontraktion der Muskulatur wird auch Schutzspannung genannt.

Hält diese Spannung nun lange an, kann auch das die Muskeln überlasten und zur Entstehung von Triggerpunkten führen.

4.2 Entstehung von Triggerpunkten durch längere Immobilisation und Schwäche

Wird ein Muskel über längere Zeit in ein und derselben Position gehalten, führt das zu einer Minderdurchblutung, Erhöhung der Muskelspannung und letztendlich zu Triggerpunkten.

Zudem nimmt die Belastbarkeit eines Muskels während einer Immobilisation rapide ab, und schwache Muskeln sind deutlich anfälliger für die Entstehung von Triggerpunkten als „gut trainierte“.

In Punkt 4.1 sprachen wir über „Umknicktraumata“. Ist eine solche Verletzung schwerwiegend genug, dann wird das Sprunggelenk für einige Wochen ruhig gestellt, zum Beispiel mit einer Aircast Schiene.

Diese Schiene schränkt die Beweglichkeit des Sprunggelenks in Supination sowie Pronation stark ein und schützt somit die verletzten Bandstrukturen.

Allerdings werden dadurch auch die Peroneen entlastet, wodurch sie drastisch schwächer und schlechter durchblutet werden, und nicht mehr in ihrer Ganzheit belastet werden. Dies bietet einen guten Nährboden für die Entstehung von Triggerpunkten.

Hieraus wird auch ersichtlich wie wichtig angepasste Kraftübungen sowie Lockerungen nach der Ausheilung der Verletzung sind.

4.3 Sitzen mit überkreuzten Beinen und hohe Strümpfe

Wenn Sie Ihre Beine beim Sitzen übereinander schlagen, wird der Peroneus longus zwischen dem überschlagenen Bein und dem Knie eingeklemmt.

Diese Komprimierung kann den Muskel überlasten und Triggerpunkte entstehen lassen.

Gleiches gilt für hohe Strümpfe, die einen sehr festen elastischen Zug besitzen. Auch diese komprimieren den Muskel und können zu Problemen führen.

4.4 Hohe Absätze

Durch das Tragen hoher Absätze bringen Sie Ihr Sprunggelenk in eine instabile Position. Nun erinnern Sie sich daran, dass die Peroneen vor allem Stabilisationsarbeit im Sprunggelenk leisten.

Durch hohe Absätze überlasten Sie möglicherweise diese Muskeln, vor allem wenn Sie sie sehr oft oder lange tragen.

4.5 Joggen bzw. Laufen und chronische Spannung im Tibialis anterior

Dieser Punkt mag für viele von Ihnen etwas schwerer zu verstehen sein, ist aber für all diejenigen sehr wichtig, die viel Laufen und von Schmerzen im Sprunggelenk, Fuß oder der Ferse geplagt sind.

Beschäftigen wir uns also mit der funktionellen Anatomie …

Ihr Tibialis anterior ist der Gegenspieler (Antagonist) Ihres Peroneus longus und brevis. Er zieht den Fußrücken nach oben. Diese Funktion ist sehr wichtig um eine kontrollierte Abrollbewegung beim Joggen zu gewährleisten.

Vor allem beim Bergablaufen wird dieser Muskel stark belastet. Sie haben sicherlich schon mal dieses Brennen im Bereich Ihres Schienbeins beim Bergablaufen gespürt. Das ist Ihr angestrengter Tibialis anterior.

Viele Jogger überlasten diesen Muskel wenn …

  • sie nach langer Pause wieder mit dem Laufen beginnen.
  • auf unebenem Terrain laufen.
  • sie Trailrunning betreiben.
  • sie die Trainingsintensität zu schnell erhöhen.

Diese Überlastung drückt sich in einer erhöhten Muskelspannung aus, und evtl. in Triggerpunkten.

Dieser erhöhte Muskelzug führt natürlich dazu, dass der Peroneus longus und brevis stärker arbeiten müssen um Ihre Funktion zu erfüllen, denn sie arbeiten ja in die entgegengesetzte Richtung.

Diese stärkere Arbeit kann sie überlasten und in der Folge zu Triggerpunkten führen.

5. Palpation

Die Palpation dieser Muskeln gelingt am besten während Kontraktion, also wenn sie sich anspannen.

Im Folgenden zeige ich Ihnen wie Sie jeden einzelnen dieser drei Muskeln tasten können.

Videos zur Palpation für jeden einzelnen der Peronen erhalten Sie im Triggerpunkt Online Kurs.

5.1 Palpation des Peroneus longus

Ertasten Sie zuerst einmal das Fibulaköpfchen, also den Ursprung des Muskels.

  • Setzen Sie sich hierzu am besten auf einen Stuhl
  • Das Fibulaköpfchen ist der kleine knöcherne Knubbel an der Außenseite unterhalb Ihres Knies.
  • Platzieren Sie zwei bis drei Finger an Ihrem Fibulaköpfchen.
  • Bewegen Sie Ihren Fuß nun so, dass Ihre kleine Zehe nach außen gedreht und die Fußaußenkante gehoben wird. Wiederholen Sie diese Bewegung einige Male.
  • Tasten Sie den Bereich unter dem Fibulaköpfchen und versuchen zu spüren, wie sich der Peroneus longus mir jeder dieser Bewegungen anspannt.
  • Verfolgen Sie seinen Muskelverlauf etwas nach unten.

Anmerkung: Der Muskelbauch des longus reicht nur bis ca. zur Mitte des Unterschenkels hinunter.

Danach geht er in die lange Sehne des Muskels über. Wenn Sie während dieser Bewegung am unteren Unterschenkel eine Kontraktion spüren, so ist das der Peroneus brevis oder die Sehne des longus, welche sich unter Ihren Fingern bewegt

5.2 Palpation des Peroneus brevis

Der Peroneus brevis ist etwas schwieriger zu tasten, da er unter dem longus liegt. Mit etwas Geduld und Übung wird es Ihnen aber gelingen.

Falls nicht, ist das kein Problem, da Sie den Muskel auch massieren können ohne ihn zu spüren. Sie müssen nur wissen wo er ungefähr liegt.

  • Auch hier empfehle ich Ihnen sich zu setzen.
  • Legen Sie zwei bis drei Finger an die Außenseite Ihres Unterschenkels, etwa auf halbem Weg zwischen Knie und Sprunggelenk.
  • Führen Sie nun wieder die gleiche Bewegung aus wie unter Punkt 5.1 und versuchen den Muskel zu spüren.
  • Spüren Sie den Unterschied zwischen der Sehne des longus und der Anspannung des brevis unter Ihren Fingern?

5.3 Palpation des Peroneus tertius

Der Peroneus tertius ist relativ einfach zu palpieren. Bevor Sie den Muskel spüren, müssen Sie allerdings erst einmal Ihre Malleolengabel ertasten.

  • Die Malleolengabel ist das, was die meisten von ihnen als „Knöchel“ bezeichnen.
  • Legen Sie Ihre Hand auf Ihren Knöchel und tasten einmal seinen Verlauf, nach oben, nach unten, nach vorne und nach hinten.

Um den Muskel zu spüren, gehen Sie vor wie folgt:

  • Umgreifen Sie Ihren Unterschenkel und legen Ihren Daumen vor Ihren Knöchel.
  • Heben Sie einige Male Ihren Fuß und drehen die kleine Zehe nach außen. Lassen Sie hierbei Ihre Ferse auf dem Boden.
  • Während diesen Bewegungen wandern Sie sehr langsam mit Ihrem Daumen nach oben.
  • Versuchen Sie zu spüren, wie sich ein Muskel unter Ihren Daumen anspannt.
  • Das ist Ihr Peroneus tertius. Er befindet sich im unteren Viertel bis Drittel Ihres Unterschenkels.

6. Selbstmassage des Peroneus longus, brevis & tertius

Für die Selbstmassage dieses Muskels bieten sich viele Techniken, Positionen und Geräte an.

Auf dieser Seite zeige ich Ihnen, wie Sie diese Muskeln mit Ihren Händen massieren. Als Techniken verwende ich dabei die Präzisen Massagestriche sowie die Druck-Bewegungstechnik.

Im Triggerpunkt Online Kurs erwarten Sie Videos zu diesen Techniken. Zudem zeige ich Ihnen wie Sie den Muskel mit folgenden Hilfmitteln massieren können:

  • Daumen
  • Faust
  • Massageball
  • Faszienrolle

Für jedes Hilfsmittel stelle ich Ihnen verschiedene Massagetechniken vor. So können Sie sich in unterschiedlichen Intensitäten massieren, genau angepasst an Ihre aktuelle Schmerztoleranz.

Natürlich gehe ich in allen Video sehr langsam vor, sodass Sie sofort mitmachen können ohne den roten Faden zu verlieren.

Zu guter Letzt erhalten Sie auch Zugriff auf Videos für alle Muskeln und Triggerpunkte, die ich auf meiner Website beschrieben habe – alles in allem sind das über 400 Videos.

Somit steht Ihnen der erfolgreichen Selbstbehandlung Ihrer Triggerpunkte nichts mehr im Weg. Ich freue mich auf Sie!

6.1 Selbstmassage des Peroneus longus & brevis mit den Händen

  • Umgreifen Sie Ihren Unterschenkel etwas unterhalb des Knies.
  • Legen Sie Ihre Daumen nebeneinander, direkt unter Ihr Fibulaköpfchen.
  • Drücken Sie in den Muskel und verschieben die Daumen nach oben und unten.
  • Suchen Sie auf diese Weise nach schmerzlichen und verspannten Punkten.
  • Massieren Sie jeden dieser Punkte mit einigen Massagestrichen. Hierbei verschieben Sie nur die Haut über den Muskel, streichen aber nicht über diese drüber.
  • Verfahren Sie auf diese Weise mit der gesamten Außenseite Ihres Unterschenkels.

6.2 Selbstmassage des Peroneus tertius mit dem Daumen

  • Umgreifen Sie Ihren Unterschenkel, direkt über Ihrem Sprunggelenk.
  • Platzieren Sie den Daumen auf dem Muskel.
  • Suchen Sie nach schmerzlichen Verspannungen indem Sie in den Muskel hineindrücken.
  • Massieren Sie jede dieser Verspannungen indem Sie den Muskel bewegen.
  • Hierzu heben Sie abwechselnd Ihre Ferse und Ihre Zehen.
  • Konzentrieren Sie sich vor allem auf die schmerzlichsten Bewegungsabschnitte, ohne aber den Schmerz zu maximieren.

Literatur

  • Calais-German, Blandine. Anatomy of Movement. Seattle: Eastland Press, 1993. Print
  • Davies, Clair, and Davies, Amber. The Trigger Point Workbook: Your Self-Treatment Guide For Pain Relief. Oakland: New Harbinger Publications, Inc., Print
  • Simons, David G., Lois S. Simons, and Janet G. Travell. Travell & Simons’ Myofascial Pain and Dysfunction: The Trigger Point Manual. The Lower Extremities. Baltimore, MD: Williams & Wilkins, 1993. Print.
  • Schünke, Michael., Schulte, Erik, and Schumacher, Udo. Prometheus: Lernatlas der Anatomie. Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag, 2007. Print