So löst die Psyche Bandscheibenvorfälle und Arthrose aus – ein mögliches psychosomatisches Szenario

Kann die Psyche Bandscheibenvorfälle und Arthrosen auslösen?

Diese Frage wurde mir als Reaktion auf meinen Beitrag „Seelische Belastungen können Rückenschmerzen auslösen“ gestellt.

Zusammenfassung

Psychische Belastungen können über das Nervensystem zu einer Erhöhung der Muskelspannung führen.

Dies führt zu Kompressionskräften, die auf Bandscheiben und Gelenkknorpel wirken.

Über einen langen Zeitraum kann dies zu einer schnelleren Abnutzung der Strukturen führen. Auf diese Weise kann die Psyche (indirekt) Bandscheibenvorfälle und Arthrosen auslösen bzw. deren Entstehung beschleunigen. Rückenschmerzen können entstehen.

Um diese Zusammenhänge genauer zu verstehen, müssen Sie zwei Dinge wissen:

  • Gefühle und Emotionen wirken sich immer auf den Körper aus …
  • … und können bestimmte Spannungs- bzw. Kontraktionsmuster erzeugen.

Gefühle und Emotionen als (langfristiger) Auslöser für Bandscheibenvorfälle und Arthrose

Körper und Geist sind untrennbar miteinander verbunden, und beeinflussen sich gegenseitig.

Emotionen, Gefühle und Gedanken rufen immer körperliche Reaktionen hervor – mehr oder weniger ausgeprägt. Je nachdem wie stark der Gedanke, das Gefühl oder die Emotion ist.

Sobald Sie etwas denken oder fühlen, reagiert auch Ihr Körper, unter anderem mit einer Anspannung oder Entspannung der Muskulatur.

In diesem Beitrag geht es allerdings „nur“ um die Anspannung der Muskulatur bzw. die Erhöhung des Muskeltonus.

Was geschieht zum Beispiel, wenn Sie Wut spüren? Viele Menschen spüren Wut im Magen. Aber was genau spüren Sie dort? Es ist Muskelspannung!

Vielleicht spüren Sie Wut aber auch in Ihren angespannten Unterarmen. Sie sind wütend, möchten Ihren Gegenüber boxen, tun es aber nicht. Jedenfalls nicht wirklich. In Ihren Gedanken jedoch schon – deshalb sind die Unterarme angespannt.

Die Spannungen im Bauch oder in den Unterarmen sind beispielhafte körperliche Begleiterscheinungen von Wut. Der gemeinsame Nenner ist die erhöhte Muskelspannung.

Gedanken und Gefühle führen also immer zu einer Veränderung der Muskelspannung, selbst wenn diese manchmal so subtil ausfällt, dass sie fast nicht wahrnehmbar ist.

Typische Spannungsmuster / Kontraktionsmuster als Folge von Gedanken, Gefühlen & Emotionen

Die Veränderung der Muskelspannung führt zu Spannungs- bzw. Kontraktionsmustern bestimmter Muskelgruppen.

In diesem Beitrag möchte ich zwei solcher Muster vorstellen, nämlich das Startmuster und das Stoppmuster.

Das Startmuster – Sie greifen an

Das Startmuster wird auch Grünlichtreflex genannt.

Es werden Muskelgruppen angespannt, die unsere Gelenke strecken und uns somit aufrichten.

Wir machen uns groß, um einer Herausforderung entgegenzutreten.

Dieses Muster wird aktiv, wenn wir aktiv werden, wenn wir Dinge anpacken, wenn wir kämpfen, usw.

Das Stoppmuster – Sie schützen sich

Das Stoppmuster wird auch Rotlichtreflex genannt.

Bei diesem Muster werden Muskeln aktiviert, welche unsere Gelenke beugen und uns somit klein werden lassen. Maximal ausgeführt bringt uns dieses Muster in die Embryonalhaltung.

Alle weichen Bereiche unseres Körpers (Hals, Bauch, Intimbereich, Kniekehlen) werden „geschlossen“ und dadurch geschützt.

Alle harten, knöchernen Strukturen (Schädel, Wirbelsäule, Schienbeine) hingegen werden der Welt zugewandt, damit die Dinge an uns abprallen können.

Dieses Muster tritt auf, wenn wir zum Beispiel Angst haben und/oder uns überfordert fühlen.

Hierbei spielt es keine Rolle ob die Angst real ist oder nicht, oder ob wir tatsächlich überfordert sind oder nicht.

Der entscheidende Punkt ist unser Gefühl, und dieses Gefühl liegt manchmal verborgen und ist uns somit nicht immer bewusst.

Innere Spannungen, Zerrissenheit und Ambivalenz komprimieren Bandscheiben und Gelenkknorpel.

Wie kann all dies zu Bandscheibenvorfällen und Arthrosen führen?

Es geht um innere Spannungen, innere Zerrissenheit, oder Ambivalenzen. Diese Zustände entstehen, wenn Sie sich „gestresst“ fühlen.

Stress bedeutet in diesem Beispiel, …

  • dass Sie etwas tun möchten, aber nicht können, oder …
  • dass Sie etwas tun sollen, aber nicht wollen oder nicht können.

Diese Dinge sind allerdings nicht miteinander vereinbar. Das Resultat ist die gleichzeitige Aktivierung von Start- und Stoppmuster.

Das Wollen oder Sollen richtet Ihren Körper auf und aktiviert das Startmuster bzw. den Grünlichtreflex.

Das Nicht-Wollen oder das Nicht-Können führt zu Abneigung, möglicherweise auch zu Angst, und aktiviert das Stoppmuster bzw. den Rotlichtreflex.

Diese beiden Muster arbeiten gegeneinander und das kann Probleme hervorrufen. Denn Sie können ein Gelenk nicht gleichzeitig strecken und beugen, genauso wenig, wie Sie gleichzeitig Ja und Nein sagen können.

Sind aber beide Muster gleichzeitig aktiv, dann werden die Bandscheiben und Gelenke unseres Körpers komprimiert, da die Kräfte zu keiner oder weniger (Gelenk)Bewegung führen.

Sie sind dann gegebenenfalls wie erstarrt, oder können sich unter nur großem Kraftaufwand bewegen. Die äußere Starre/Schwere beschreibt die innere Starre und Unbeweglichkeit, die Sie vielleicht spüren, wenn Sie Angst haben, innerlich zerrissen oder ambivalent sind.

Bandscheiben und Gelenkknorpel werden in der Folge stärker belastet. Im obenstehenden Video (bei Minute 7:00) erkläre ich dies anhand eines anatomischen Modells.

Die körperlich entstandenen Kompressionskräfte werden zum Spiegelbild unserer inneren Spannungen, Konflikte und Unsicherheiten.

Kurzfristig ist das kein Problem.

Wenn Sie innere Spannungen, Konflikte und der gleichen allerdings jahrelang mit sich tragen und nicht lösen, dann kann das meiner Auffassung nach zu einer schnelleren Abnutzung (Degeneration) der Bandscheiben und Gelenkknorpel führen, und somit Bandscheibenvorfälle sowie Arthrosen auslösen bzw. deren Entstehung begünstigen.

Die erhöhte Spannung an beiden Seiten Ihrer Gelenke kann subtil, fast nicht wahrnehmbar sein. Über die Monate und Jahre hinweg werden die Spannungen allerdings Einfluss auf Ihren Körper nehmen.

Einen ähnlichen Mechanismus finden Sie bei Wasser. Ein Tropfen Wasser kann einem Stein nichts anhaben. Viele Tropfen über viele Jahre hinweg werden ihn allerdings formen und aushöhlen.

Psyche, Bandscheibenvorfälle und Arthrosen – Das können Sie selbst tun

Es gibt viele Möglichkeiten Muskel(ver)spannungen zu senken und zu lösen.

Vor allem die Arbeit an Ihrer Innenwelt ist wichtig. Warum, das habe ich in diesem Beitrag versucht darzulegen.

Das Lösen innerer Konflikte, das Beschreiten neuer, gesünderer Lebenswege ist in meinen Augen der elementarste Bestandteil. Hier können professionelle Psychotherapeuten, aber auch gute Freunde oder Bücher helfen.

Letztendlich sind aber Sie gefragt. Sie müssen in sich hineinhören und Sie müssen Entscheidungen treffen – Therapeuten, Freunde und Bücher können „nur“ unterstützend zur Seite stehen.

Auf diesem Weg können aber auch körperorientierte Methoden nützlich sein. Auch durch sie erhalten wir Einsicht, werden unserem Körper sowie Geist bewusster, und dadurch möglicherweise achtsamer im Umgang mit uns selbst, sowie im Umgang mit allem anderen.

Yoga, Thai Chi, Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Feldenkrais, usw. können helfen bewusster, ruhiger und achtsamer zu werden. Das sind Qualitäten, welche nach meiner Auffassung und Erfahrung einen positiven Einfluss auf unsere Muskelspannung haben.

Auch die Selbstbehandlung von Triggerpunkten kann helfen diese Spannungsmuster zu durchbrechen, und dadurch möglicherweise helfen innere Spannungen und Konflikte leichter zu lösen.

Schließlich stehen Körper und Geist permanent miteinander in Kontakt, und beeinflussen sich gegenseitig. Wenn sich psychische Probleme in unseren Muskeln bzw. im Körper ausdrücken, dann lassen sich diese auch durch Köperarbeit beeinflussen – zumindest zu einem gewissen Grad.

Nebenbei können Sie durch die Arbeit an Triggerpunkten viele Schmerzen lösen oder zumindest lindern.

Im Falle eines Bandscheibenvorfalls kann die Selbstbehandlung von Triggerpunkten vor allem nach „Ausheilung“ des Vorfalls helfen Schmerzen zu lösen.

Aufgrund der Schmerzen, welche der Bandscheibenvorfall auslösen kann, bewegen sich viele Betroffene ungünstig (Vermeidungsbewegungen, um dem Schmerz auszuweichen).  Dadurch werden diverse Muskeln im Bereich des Rückens und der Hüfte überlastet und Triggerpunkte können sich „entwickeln“.

Wenn diese nicht behandelt werden, dann bleiben diese auch nach dem Bandscheibenvorfall bestehen, und bereiten mehr oder weniger Probleme bzw. Schmerzen.

Im Falle einer Arthrose hilft eine Triggerpunkt Selbstbehandlung die von Muskeln ausgelösten Schmerzen zu lindern und zu beseitigen. In einigen Fällen ist es nämlich nicht (ausschließlich) die Arthrose, die Schmerzen verursacht, sondern auch die das betreffende Gelenk umgebende Muskulatur.

Falls Sie unter Schmerzen leiden und effektive Übungen gegen Ihre Schmerzen suchen, dann werfen Sie einen Blick auf meine Online Video Kurse.  Dort finden Sie Lösungsvorschläge für eine Vielzahl an Schmerzen, Symptomen und Bewegungseinschränkungen.

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