Schmerz durch unterdrückte Gefühle und Traumata: John Sarno, Hildegund und Peter Heinl

In diesem Beitrag teile ich meine Meinung zu den Büchern von Dr. Sarno und gebe Ihnen eine Empfehlung für ein anderes, meiner Meinung nach besseres, aber leider weniger bekanntes Buch der Autoren Hildegund und Peter Heinl.

In diesem Beitrag gehe ich auf die Frage eines Lesers ein, welcher vor einigen Jahren als Teilnehmer in einem meiner Triggerpunkt-Workshops dabei war.

Vage erinnere ich mich, dass wir im Workshop nicht nur über Triggerpunkte sprachen, sondern auch über unterdrückte Gefühle und das sich, wenn sie das erste Mal bewusst durchlebt und angenommen werden, Schmerzen lindern oder lösen können.

Vor kurzem sah der Teilnehmer von damals eines meiner Videos und schrieb mir als Kommentar: „Das hört sich an wie Dr. John Sarno. Hast Du von dem schonmal etwas gehört?“

Natürlich kenne ich Dr. John Sarno, wenn auch nicht persönlich, und habe auch zwei seiner Bücher gelesen. Und zwar „The Divided Mind“ und „Healing Back Pain“.

Beide Bücher haben mir gut gefallen, da sie das Thema beleuchten wie Emotionen und Gefühle, vor allem wenn sie unbewusst und unterdrückt sind, Schmerzen auslösen können. John Sarno vertrat (er lebt nicht mehr) die Meinung, dass diese die wahre und einzige Ursache von (chronischem) Schmerz sind.

Während Dr. John Sarno zu Beginn seiner „Entdeckungen“ Physiotherapie gerne als begleitende Maßnahme gegen Schmerzen empfahl, lehnte er sie später gänzlich ab. Er vertrat die Auffassung Physiotherapie habe beim Thema chronische Schmerzen wenig bis keinen Platz.

Damit gelange ich an meinen Kritikpunkt bzgl. seiner Bücher. Sie sind mir zu dogmatisch, wenngleich auch wertvolle Information in ihnen steckt und ich diese Bücher jedem Menschen mit chronischen Schmerzen ans Herz legen möchte – einfach um einmal über den mechanischen Tellerrand hinauszublicken.

Im Folgenden erkläre ich, warum ich diese dogmatische Sichtweise nicht vertrete und warum ich, selbst wenn Dr. Sarno Recht hätte (was ich nicht glaube), in vielen Fällen dennoch (zusätzlich) zu körperlichen Therapieformen raten würde.

Gehen wir davon aus, dass die Psyche immer die Ursache für chronische Schmerzen ist. Sie beeinflusst das Nervensystem und dadurch natürlich auch den Muskeltonus bzw. die Muskelspannung.

Somit führt sie zu mechanischen und chemischen Veränderungen im Körper, also auch in der Muskulatur.

Dadurch kann sie Zustände und Veränderungen auslösen, welche diverse Rezeptoren aktivieren. Diese Rezeptoren generieren Warnsignale (nozizeptive Reize), welche an das Rückenmark und von dort möglicherweise an das Gehirn geleitet werden, wo sie gegebenenfalls als Gefahr und dann als Schmerz interpretiert werden können.

Aber selbst dann, was ist wenn:

  • Man aktuell so unbewusst und unreflektiert ist, dass man diese Gefühle gar nicht als solche interpretieren kann, sondern sich mit diesen identifiziert.
  • Man gerade mit diesen Gefühlen nicht in Kontakt treten kann.
  • Einem die Ressourcen fehlen, um sich mit diesen teils schweren Themen auseinanderzusetzen.
  • Man keinen Platz bei einem Psychotherapeuten bekommt.

Selbst wenn Dr. Sarno Recht hätte und die Psyche für alle chronischen Schmerzen alleinig verantwortlich ist, aber einer der genannten Beispiele vorliegt, warum sollte man dann nicht durch körperliche Therapieansätze wie zum Beispiel Yoga, Pilates, Feldenkrais, Physiotherapie, Osteopathie, Selbstmassagen etc. versuchen Linderung zu erreichen?

Kleiner Exkurs zur Untrennbarkeit von Körper und Geist

Körper und Geist bzw. Soma und Psyche sind untrennbar miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Psychische Veränderungen führen zu körperlichen Veränderungen und körperliche Veränderungen rufen psychische Veränderungen hervor.

Es ist keine Einbahnstraße. Das eine beeinflusst das andere und umgekehrt.

Wir erleben uns durch unseren Körper und jeder Versuch Körper und Geist voneinander zu trennen und separat zu betrachten und zu behandeln führt zur künstlichen Trennung von etwas, das sich nicht trennen lässt.

Körperliche Probleme können sich durch psychische Arbeit beeinflussen lassen und psychische Probleme lassen sich durch körperliche Arbeit beeinflussen – wenn auch der Grad des möglichen Erreichbaren von Person zu Person wahrscheinlich sehr unterschiedlich ist und von der Empfänglichkeit für das ein oder andere abhängt.

Exkurs Ende.

Die gerade genannten Methoden können zumindest Auslöser für Schmerzen „beseitigen“, und manchmal vielleicht auch die Ursache. Und selbst wenn letzteres nicht möglich ist, dann wirken sie wie ein natürliches Schmerzmittel, welches hilft die Symptome (in diesem Fall Schmerz) zumindest vorübergehend oder immer wieder aus Neue zu lindern.

Aus welchem Grund sollte man sich dieser möglichen Linderung widersetzen? Warum sollte man sie verneinen und ablehnen?

Das macht in meinen Augen keinen Sinn.

Die meisten Menschen sind erstmal an der Linderung ihrer Symptome interessiert und erst dann gehen manche einen Schritt weiter und möchten wissen was die Ursache ihrer Probleme ist. Das herauszufinden ist ein oft langer und zäher Prozess und Erkenntnissen sowie Einsichten müssen erstmal Handlungen folgen.

Und wenn manche Menschen die Ursachen nicht wissen möchten, warum sollte ihnen die Linderung ihrer Symptome verwehrt bleiben?

Die Linderung von Symptomen, wie zum Beispiel Schmerz, kann meiner Meinung nach dazu beitragen, dass es einem erstmal soweit besser geht, dass man überhaupt die Kraft entwickelt sich mit tieferliegenden Ursachen seiner Probleme auseinanderzusetzen.

Zudem möchte ich nochmals auf den Exkurs verweisen. Körper und Geist sind nicht trennbar. Die körperliche Arbeit darf und sollte nicht unterschätzt werden und unterstützt die Arbeit an der Psyche enorm. Das jedenfalls ist meine persönliche Meinung und Erfahrung.

Das eine oder das andere abzulehnen stößt mir auf, ist mir zu dogmatisch.

Im Endeffekt sollte jeder das tun, was ihm am meisten hilft.

Natürlich kann es sein, dass hier der Placeboeffekt am Werk ist und das bestimmte Methoden einfach nur deswegen wirken, weil man von ihnen überzeugt ist.

Für die Effektivität dieser Methoden gibt es vielleicht keinen wissenschaftlichen Beweis und sie wirken nur weil man daran glaubt und sie somit zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden.

Aber wo liegt das Problem? Aus wissenschaftlicher Sicht ist es eine „Katastrophe“, aber wo liegt das Problem für den Menschen, der eine Linderung oder gar Beseitigung seiner Symptome erfährt?

Das Problem wurde durch eine bestimmte Methode beseitigt oder gelindert, nur eben nicht auf die propagierte Art und Weise.

Dem Menschen, dem sein Symptom genommen wurde, interessiert das nicht – da bin ich mir sicher.

Buchempfehlung zum Thema Psychosomatik

Zu guter Letzt möchte ich Ihnen ein Buch ans Herz legen, welches mir persönlich besser gefallen hat als die Bücher von Dr. Sarno.

Es ist das Buch „Körperschmerz – Seelenschmerz“ von Hildegund und Peter Heinl. Es ist ein wunderbares Buch. Verständlich geht es auf die psychosomatischen Dynamiken von Schmerzen ein und beinhaltet viele Beispielgeschichten aus der Praxis der Autoren.

Erste Schritte zur Selbstbehandlung auf körperlicher Ebene

Wenn Sie auf körperlicher Ebene beginnen möchten an muskulären Faktoren für Ihre (chronischen) Symptome, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu arbeiten, dann lege ich Ihnen meinen großen Online Kurs ans Herz.

Dort finden Sie exklusive und detaillierte Videoanleitungen gegen Symptome, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen am gesamten Körper, von Kopf bis Fuß.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Zeit und das Lesen meines Beitrags.

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