Interkostalmuskulatur – Schmerzen & Triggerpunkte

Die Interkostalmuskeln liegen zwischen Ihren Rippen, unterstützen Ihre Atmung und können Schmerzen im Bereich des Brustkorbes auslösen, wenn Sie überlastet werden und Triggerpunkte entwickeln.

Hierbei handelt sich um kleinste Muskelknötchen der betreffenden Muskulatur.

Gegen diese Triggerpunkte können Sie allerdings selbst etwas unternehmen. Sie können sie selbst beseitigen, nämlich mit einer Selbstmassage.

Auch wenn Sie davon noch nie gehört haben, bleiben Sie bitte bei mir und lassen sich nicht verunsichern.

Auf dieser Seite erkläre ich Ihnen unter anderem wie Sie sich selbst massieren. Zudem werden Sie erfahren …

  • welche Beschwerden diese Muskeln hervorrufen können.
  • wo sie sich befinden.
  • welche Funktionen sie besitzen, und
  • wie Sie sie ertasten.

1. Schmerzzonen, Symptome & Differentialdiagnosen

1.1 Schmerzzonen

Verspannungen der Interkostalmuskulatur lösen lokale Schmerzen und Druckempfindlichkeit im Bereich der Verspannung aus.

Triggerpunkte rufen ebenfalls lokale Schmerzen im Brustkorb hervor, welche aber nach vorne ausstrahlen können.

Je weiter hinten ein Triggerpunkt in diesen Muskeln liegt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er nach vorne ausstrahlt.

1.2 Symptome und Bewegungseinschränkungen

Neben den beschriebenen Schmerzzonen können weitere Beschwerden auftreten falls Triggerpunkte vorhanden sind.

1.2.1 Schmerzen im Liegen

Sie können nicht mehr auf der Seite liegen, da die Muskulatur zu empfindlich ist und die Schmerzen zu groß sind.

1.2.2 Schmerzen beim tiefen Einatmen

Beim tiefen Einatmen verspüren Sie Schmerzen in der Brust, durch körperliche Aktivität werden diese nochmals verstärkt.

1.2.3 Eingeschränkte Vitalkapazität

Die Interkostalmuskeln unterstützen Ihre Atmung. Triggerpunkte können dazu führen, dass sie sich nicht mehr „richtig“ anspannen können.

Dies führt dazu, dass Sie weniger Luft einatmen können und Ihre Vitalkapazität sinkt.

1.2.4 Eingeschränkte Rotationsfähigkeit und Mobilität der Brustwirbelsäule

Verspannungen in diesen Muskeln können eine eingeschränkte Rotationsfähigkeit der Brustwirbelsäule in eine oder beide Richtungen verursachen.

Dies rührt von Ihren anatomischen Ansatzpunkten an den Querfortsätzen Ihrer Wirbelsäule sowie Ihrer Funktion her. Mehr dazu in den Kapiteln „Ursprung & Ansatz“ sowie „Funktion“.

Machen Sie sich keine Sorgen wenn Sie das nicht verstehen. Für Sie ist vor allem wichtig zu wissen, dass es so ist, und wie Sie die Muskeln lockern können – und das werden Sie ohne Probleme lernen.

1.2.5 Schmerzen beim nach oben Strecken des Arms

Wenn Sie Ihren Arm nach oben strecken, werden Ihre Rippen auseinander gezogen, und die Interkostalmuskulatur gedehnt.

Befinden sich Triggerpunkte in den Muskeln, so lassen sich diese „ungerne“ dehnen, was zu einem Schmerzreiz führen kann, welcher Sie daran hindert Ihren Arm nach oben zu strecken.

1.2.6 Schmerzen beim Seitbeugen

Gleiches gilt für die Beugung Ihrer Wirbelsäule zur Seite (Lateralflexion). Auch hier werden die Rippen auseinander gezogen, und zwar auf der Seite von der Sie sich weg bewegen.

Der Grund warum dies zu Schmerzen führen kann, ist der gleiche wie im vorangegangenen Punkt.

1.3 Differentialdiagnosen

Schmerzen im Brustkorb sind in der Regel harmlos, das muss aber nicht immer der Fall sein. Gehen Sie deswegen zum Arzt um ernsthaftere Erkrankungen auszuschließen.

Die folgende Liste zeigt einen Auszug an Erkrankungen, die ähnliche Schmerzen hervorrufen können wie Triggerpunkte in den Interkostalmuskeln.

  • Herpes Zoster
  • Fibromyalgie
  • Herzinfarkt
  • Tumor
  • Tietze Syndrom
  • BWS Radikulopathie

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2. Ursprung & Ansatz

Die Interkostalmuskeln lassen sich untergliedern in innenliegende und außenliegende Muskeln.

  • Musculi intercostales externi
  • Musculi intercostales interni

Diese Muskeln liegen übereinander und ihre Fasern verlaufen über Kreuz.

Die Muskeln befinden sich zwischen jedem Rippenzwischenraum. Das heißt, jeder Muskel überspannt den Bereich zwischen zwei Rippen.

3. Funktionen der Interkostalmuskulatur

Diese Muskeln fungieren als Atemmuskeln sowie als Rotatoren der Brustwirbelsäule.

Atmung: Die Anspannung der Interkostalmuskeln bewirkt eine Ausweitung des Thorax nach oben und zur Seite hin. Somit unterstützen sie die Einatmung indem Sie einen Unterdruck erzeugen (Luft wird in den Körper gezogen).

In Ruhe sind nur die Muskeln im Bereich der ersten beiden Rippen aktiv, was sich bei stärker werdender Atmung ändert. Dann werden nach und nach auch die Muskeln der unteren Rippenzwischenräume aktiv.

Rotation der BWS: Die Interkostalmuskeln sind ebenfalls an der Rotation der Brustwirbelsäule beteiligt – also wenn Sie Ihren Oberkörper verdrehen.

Für eine solche Rotation werden die intercostales externi auf der einen und die intercostales interni auf der anderen Seite des Brustkorbs gleichzeitig aktiv.

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4. Überlastung & Entstehung von Triggerpunkten in der Interkostalmuskulatur

Triggerpunkte in der Interkostalmuskulatur können durch verschiedene Dinge entstehen.

Beispiele hierfür sind

  • Muskuläre Überlastungen
  • Krafteinwirkungen von außen
  • Erkrankungen
  • Triggerpunkte in anderen Muskeln

4.1 Muskuläre Überlastungen

Ein gutes Beispiel dafür wie diese Muskulatur überlastet werden kann, ist ein chronischer Husten. Durch die ständige tiefe Einatmung wird die Muskulatur überfordert und kann Triggerpunkte entwickeln.

4.2 Kraft von außen

(Starke) Gewalt – oder Krafteinwirkung von außen auf den Bereich der Rippen kann zur Entstehung von Triggerpunkten der Rippenzwischenmuskeln führen.

  • Schlag gegen den Brustkorb
  • Rippenfraktur / Rippenbruch
  • Operationen im Rippen – Brustbereich

4.3 Erkrankungen

Ein Herpes Zoster kann Triggerpunkte im Bereich der Rippen entstehen lassen, welche oft auch nach Abklingen des Herpes bestehen bleiben.

4.4 Schlüsseltriggerpunkte

Triggerpunkte im Pectoralis major führen oft zu Schmerzen im Bereich der Brust und Rippen, was die Entstehung von Triggerpunkten in den Muskeln des betreffenden Gebiets begünstigt.

5. Palpation

Sie können diese Muskeln leicht ertasten indem Sie mit Ihrem Daumen in den Bereich zwischen Ihren Rippen hinein drücken.

Hier befinden sich Ihre Interkostalmuskeln. Sie können Sie als mehr oder weniger weiches Gewebe wahrnehmen.

6. Selbstmassage

Für die Massage empfehle ich Ihnen Ihren Daumen oder Ihre Finger zu verwenden.

Als Massagetechnik können Sie eine ischämische Kompression, präzise Massagestriche oder die Druck-Bewegungstechnik verwenden.

Ein sehr ausführliches Videos zur Palpation sowie zur Selbstmassage finden Sie in meinem Triggerpunkt Online Kurs.

Daneben erhalten Sie Zugriff auf mehr als 400 Videos, in welchen ich die Massage und Palpation für alle auf dieser Website vorgestellten Muskeln und Triggerpunkte erkläre.

  • Drücken Sie mit Ihrem Daumen in den Bereich zwischen Ihren Rippen, auf der Höhe die Ihnen Probleme bereitet.
  • Untersuchen Sie den gesamten Bereich zwischen den beiden betreffenden Rippen auf empfindliche Punkte – also von Ihrem Brustbein bis nach hinten an der äußeren Seite Ihres Brustkorbes.
  • Massieren Sie jeden dieser Punkte einige Male.
  • Streichen Sie mit Ihrem Daumen von kurz vor bis kurz hinter den Punkt.
  • Verschieben Sie dabei die Haut über den Muskel, und streichen nicht über diese drüber.

Triggerpunkte befinden sich in der Regel im mittleren Drittel zwischen zwei Rippen. Nur selten sind sie weiter vorne oder hinten anzutreffen.

Ganz vorne befinden sich Triggerpunkte nur im Bereich direkt neben ihrem Brustbein. Die vorderen Bereiche der Interkostalmuskeln und Rippen, die nicht am Brustbein ansetzen sind meist frei von solchen Punkten.

Literatur

  • Calais-German, Blandine. Anatomy of Movement. Seattle: Eastland Press, 1993. Print
  • Davies, Clair, and Davies, Amber. The Trigger Point Workbook: Your Self-Treatment Guide For Pain Relief. Oakland: New Harbinger Publications, Inc., Print
  • Simons, David G., Lois S. Simons, and Janet G. Travell. Travell & Simons‘ Myofascial Pain and Dysfunction: The Trigger Point Manual. Baltimore, MD: Williams & Wilkins, 1999. Print.
  • Schünke, Michael., Schulte, Erik, and Schumacher, Udo. Prometheus: Lernatlas der Anatomie. Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag, 2007. Print