M. Pectoralis major Schmerzen und Triggerpunkte

Der Pectoralis major ist Ihr oberflächiger großer Brustmuskel, der beim Vorhandensein von Triggerpunkten, Schmerzen in Ihre Schulter, Brust und in Ihren Ellenbogen senden kann.

Glücklicherweise können Sie ihn relativ leicht mit einer gezielten Selbstmassage von diesen Punkten und somit auch von diesen Schmerzen befreien.

Natürlich vorausgesetzt, dass dieser Muskel dafür verantwortlich ist.

Alles was Sie hierfür benötigen, sind Ihre Hände und eventuell ein Tennis – oder Lacrosseball.

Sollten Sie auf dieser Seite irgendetwas vermissen, dann schreiben Sie mich einfach an. Ich freue mich von Ihnen zu hören!

1. Pectoralis major Schmerzzonen, Symptome & Differentialdiagnosen

1.1 Schmerzzonen

Ist Ihr Pectoralis major stark verspannt, so kann er lokal Schmerzen in Ihrer Brust auslösen, welche sich verstärken, wenn Sie in das betroffene Gewebe drücken.

Triggerpunkte in diesem Muskel können sogar Schmerzen in Ihre Schulter, Ellenbogen bis hinunter in Ihren Unterarm übertragen.

Aufgrund dieser Charakteristika trägt der Pectoralis major häufig zu den folgenden Schmerzen bei:

Desto tiefer das Rot in den Bildern, umso wahrscheinlicher ist es, dass Schmerzen im eingefärbten Bereich auftreten, wenn Triggerpunkte in dem Muskel vorhanden sind.

Visualisierung der Schmerzzonen

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1.2 Symptome und Beschwerden

Sollte Ihr Pectoralis major sehr verspannt sein, dann fällt es Ihnen möglicherweise schwer oder es bereitet Ihnen Schmerzen, Ihren Arm zur Seite hin anzuheben.

Zudem führen die Verspannungen in vielen Fällen zu einer permanenten Innenrotation der Schulter, was sich dann in einem Rundrücken und/oder abstehenden Schulterblättern, sowie Schmerzen im oberen Rücken manifestieren kann.

Warum? Durch die Innenrotation wandert Ihr Schulterblatt nach „außen“ und verlängert somit die Muskeln, die es in Richtung Wirbelsäule ziehen würden – mittlerer Trapezius & Rhomboiden –.

Natürlich benutzen Sie diese Muskeln im Alltag ständig. Aber wenn die Innenrotation und somit der Zug auf diese Rückenmuskeln „permanent“ ist, passiert es öfters, dass Ihr Nervensystem diese nicht mehr richtig ansteuert und „locker“ lässt.

Dann hat die Brustmuskulatur freies Spiel und die Rückenmuskulatur muss nicht mehr permanent gegen den Zug der Brust arbeiten. Es entstehen abstehende Schulterblätter.

Nun stehen diese Rückenmuskeln aber unter einer noch stärkeren „dauerhaften Dehnung“, was meist zu Schmerzen führt. In diesem Fall auf und zwischen den Schulterblättern.

1.3 Differentialdiagnosen

Wie so oft, können Triggerpunkte Schmerzen hervorrufen, die denen deutlich ernsthafteren Zuständen und Erkrankungen zum Verwechseln ähnlich sind.

Zu diesen zählen unter anderem….

  • Angina Pectoris
  • C5 – C6 Radikulopathie
  • C7 – C8 Radikulopathie
  • Entzündung der langen Bizepssehne
  • Immobilität der Brustwirbelsäule
  • Muskelfaserriss
  • Thoracic-outlet-Syndrom/TOS
  • ….

Ich möchte aber anmerken, dass Triggerpunkte und die oben genannten Zustände auch parallel existieren können und sich NICHT gegenseitig ausschließen.

Vor allem im Falle einer Angina Pectoris, also einem akuten Brustschmerz aufgrund einer Durchblutungsstörung des Herzens, sollten Sie umgehend Ihren Arzt aufsuchen um Klarheit zu schaffen.

Folgende Muskeln können ebenfalls, wenn sie mit Triggerpunkten behaftet sind, Schmerzen auslösen, die denen eines Thoracic-outlet-Syndroms extrem nahe kommen.

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2. Pectoralis major: Ursprung, Ansatz & Innervation

Ihr Pectoralis major kann in drei Teile untergliedert werden und zieht einfach gesprochen von Ihrem Brustbein & Rippen, Bauch und Schlüsselbein zu Ihrem Oberarmknochen.

Ursprung

  • Pars clavicularis – Schlüsselbein –: mittlerer Teil der Clavicula
  • Pars sternocostalis – Brustbein & Rippen: Sternum sowie 2. – 6. Rippenknorpel
  • Pars abdominalis – Bauch –: Lamina anterior an der Rektusscheide

Ansatz

  • Christa tuberculi majoris des Humerus

Innervation

  • Innerviert wird der Pectoralis major von den Nervi pectorales medialis und lateralis (Segmente C5 – Th1).

Triggerpunkte

  • entstehen häufig an den mit einem X gekennzeichneten Orten.
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3. Funktion des Pectoralis major

Wenn alle drei Teile des Muskels angesteuert werden, wird die Schulter medial rotiert – d.h. nach innen gedreht –, der Arm adduziert – also an den Körper herangezogen – und vor der Brust gekreuzt.

Natürlich können diese Bewegungen unter Ansteuerung einzelner Teile des Muskels auch getrennt voneinander stattfinden.

Zudem kann er noch folgenden Bewegungen ausführen und unterstützen, je nachdem welche Fasern aktiv werden.

  • Anteversion der Schulter – Arm nach vorne heben –
  • Depression – Schulter nach unten ziehen –
  • Hebung des Thorax/Brustkorbs => Atemhilfsmuskel
  • Protraktion – Schulter nach vorne verschieben; geht oft mit einer Innenrotation einher! –

Hier nochmal alle Funktionen auf einen Blick

  • Anteversion der Schulter
  • Adduktion des Arms
  • Depression der Schulter
  • Innenrotation der Schulter
  • Protraktion der Schulter
  • Zug auf den Thorax => Atemhilfsmuskel

Aber was bedeuten diese Funktionen nun im Alltag? Hier hilft Ihnen der Muskel zum Beispiel beim Drehen Ihres Lenkrades während des Autofahrens, beim Anlegen Ihres Sicherheitsgurtes oder beim Einräumen eines hohen Regals.

Beim Sport wird er zum Beispiel am Barren, an den Ringen, beim Schwimmen, bei Liegestützen, bei Dips, beim Bankdrücken und bei Aufschlägen von Rückschlag-Sportarten stark beansprucht.

Visualisierung der Funktionen

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Schulter neutral

schulter-depression
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Depression

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Anteversion

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Adduktion

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Innenrotation

Schulter-protraktion
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Protraktion

4. Überlastung und Entstehung von Triggerpunkten im Pectoralis major

Bei inaktiven Personen entstehen Verspannungen und Triggerpunkte vor allem durch den „passiven Stress“ eines runden Rückens, welcher meist während der Schreibtischarbeit eingenommen wird und somit die Fasern des Pectoralis major permanent „verkürzt“.

Natürlich hat jede Position, in welcher die Arme sehr oft oder lange Zeit vor dem Körper gehalten werden, den gleichen bzw. einen sehr ähnlichen Effekt.

Hier hilft es, regelmäßige Pausen einzulegen und sich zu strecken um den Muskel zu dehnen. Allerdings ist dies auch nur dann wirkungsvoll, wenn der Muskel noch nicht total „dicht“ bzw. verspannt ist. Ist dies der Fall, so ist eine Massage das Mittel der Wahl.

Bei sportlichen Personen hingegen entstehen die Probleme meist durch eine aktive Überlastung. Das heißt, der Muskel wird zum Beispiel in seiner Funktion zu oft über seinen aktuellen Leistungsstand hinaus beansprucht. Beispiele hierfür habe ich bereits im vorhergegangenen Kapitel gelistet.

5. Pectoralis major Palpation

Den Muskel zu spüren ist wirklich ein Kinderspiel, da Sie ihn mit einem Pinzettengriff umgreifen können.

Alternativ können Sie auch einfach Ihre Hand auf Ihre Brust legen und diese dann anspannen, indem Sie Ihren Arm gegen Ihren Körper drücken.

Nun können Sie den Muskel in seiner Gesamtheit spüren, von Ihrem Oberarm über Ihr Schlüsselbein und Brustbein bis hin zu Ihren Rippen.

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6. Pectoralis major Selbstmassage

Für Ihre Massage werden Sie vor allem zwei Techniken verwenden, und zwar die präzisen Rollbewegungen sowie die Druck-Bewegungstechnik.

Sie haben auch die Möglichkeit, die Selbstmassage in einem meiner Seminare zu erlernen.

6.1 Druck – Bewegungstechnik

Beginnen wir mit der Druck-Bewegungstechnik. Diese setzen wir in dem Bereich des Muskels ein, den wir mit unseren Finger umgreifen können, also von unter Ihrem Nippel bis hinauf zu Ihrer Achsel.

  • Rollen Sie den Muskel in diesem Gebiet zwischen Ihrem Daumen und Zeigefinger hin und her und suchen nach schmerzlichen Stellen, indem Sie diese zusammendrücken.
  • Während Sie dies tun, führen Sie Ihren Arm wiederholt nach hinten oben und rotieren Ihre Schulter nach außen, indem Sie Ihre Handfläche zur gegenüberliegenden Seite und Ihre Ellenbogenspitze tendenziell nach oben zeigen lassen.
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Das heißt wir arbeiten nun genau gegen die Funktionen des Muskels und verlängern ihn. Auf diese Art und Weise werden Sie spüren, wie er zwischen Ihren Fingern arbeitet. Aber noch viel stärker werden Sie die schmerzlichen Knötchen spüren, falls vorhanden.

  • Sobald sie eine empfindliche Stelle treffen, bleiben Sie dort und führen dann sehr langsam und locker die gerade beschriebene Bewegung ca. 20 mal aus.
  • Konzentrieren Sie sich hierbei vor allem auf die schmerzlichsten Bewegungsabschnitte.

Verfahren Sie nun auf diese Weise mit dem gesamten Bereich Ihrer Brust, den sie mit dem Pinzettengriff fassen können.

Wichtig: Bei dieser Massagetechnik ermüden Ihre Finger sehr schnell. Deswegen rate ich Ihnen, Pausen einzulegen und die Massage eventuell in mehrere kurze Sessions zu unterteilen.

6.2 Massage mit einem Ball

Den restlichen Bereich und die eventuell vorhandenen Triggerpunkte in der Brust bearbeiten Sie mit einem Massageball. Ich persönlich verwende hier einen Ball aus Kork.

  • Hierzu platzieren Sie einfach einen solchen oder einen Ball auf Ihrer Brust und lehnen sich dann gegen eine Wand.
  • Nun rollen Sie langsam über den Muskel und suchen somit nach schmerzlichen Stellen. Sobald Sie eine finden, rollen Sie mit dem Ball max. 15 mal langsam darüber.
  • Alternativ zur Ballmassage können Sie diesen Bereich auch mit der Fingertechnik bearbeiten.
  • Lassen Sie sich hierbei ruhig Zeit, untersuchen wirklich den gesamten Bereich Ihrer Brust und experimentieren vor allem mit Ihrer Körperposition um die Massage möglichst angenehm zu gestalten.
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Ich bedanke mich ganz herzlich fürs Lesen und hoffe Ihnen weiter geholfen zu haben.

Literatur

  • Calais-German, Blandine. Anatomy of Movement. Seattle: Eastland Press, 1993. Print
  • Davies, Clair, and Davies, Amber. The Trigger Point Workbook: Your Self-Treatment Guide For Pain Relief. Oakland: New Harbinger Publications, Inc., Print
  • Simons, David G., Lois S. Simons, and Janet G. Travell. Travell & Simons‘ Myofascial Pain and Dysfunction: The Trigger Point Manual. Baltimore, MD: Williams & Wilkins, 1999. Print.
  • Schünke, Michael., Schulte, Erik, and Schumacher, Udo. Prometheus: Lernatlas der Anatomie. Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag, 2007. Print